Schaurig-schöner Gespensterklassiker

Die Spielfreude war den Unterstufenmusikern anzumerken.

Mit dem „Gespenst von Canterville“ brachten die Unterstufenmusiker des Gymnasiums Ochsenhausen in diesem Jahr einen schaurig-amüsanten Klassiker auf die Bühne und begeisterten die Besucher im überfüllten Kellerfoyer der Schule.

Der Stoff des Stücks hat mit seiner Kontrastierung zweier Lebenswelten „nichts von seiner Aktualität eingebüßt“, wie die musikalische Leiterin Sarah Baranja betont. Auf der einen Seite der altenglische Adel mit großer Vergangenheit und einem Schloss, aber leerem Geldbeutel. Auf der anderen die amerikanischen Käufer von Canterville in ihrer pragmatisch-rücksichtslosen Manier, Tradition und Herkommen britischer Kultur schlichtweg zu missachten. Dabei stört die neuen Besitzer vor allem das Inventar: Angefangen von der aus amerikanischer Perspektive musealen Einrichtung bis hin zum Hausgespenst, das, gespielt von Lucas Heine, nachts erfolglos sein Unwesen treibt, um die Eindringlinge aus der Neuen Welt zu verschrecken.

Soweit das Original von Oscar Wilde. Die rund 20 Jahre alte Musicalfassung des Kirchenmusikers Johannes Matthias Michel macht aus dem Klassiker ein beschwingt kurzweiliges Amüsement, das neben Sprechpartien chorische und „arienhafte“ Einlagen beinhaltet. Und was machen die Schülerinnen und Schüler der Unterstufe des GO daraus?

Vom Bühnenbild angefangen über die Sänger von „Young Voices“ bis hin zu den jungen Instrumentalisten der Klassen 7b und 7c zeugte die rund 90-minütige Vorstellung von Engagement und Spielfreude. Hervorzuheben ist hier die Titelrolle des Sir Simon (Lucas Heine), ein seit über 500 Jahren wegen Mordes an seiner Gattin zum Spuk verdammter Hausgeist, dessen hämisches Lachen die Neubesitzer leider nur nervt. Die Frau des Hauses kann dem langsam verzweifelnden Gespenst auch nur mit profanem Schmieröl von „Johnson und Johnson aus Boston“ behilflich sein. Da ist deren Tochter Samantha, gespielt von Selina Fink, schon einfühlsamer: Sie hat Mitleid mit dem entnervten Gespenst, das ihr allabendlich beim Versuch, einen weggewischten Blutfleck am Kamin zu erneuern, Farben aus dem Malkasten entwendet. Ihr Trostsong gehört mit zu den musikalischen Höhepunkten des Abends, ist Selina Fink doch stimmlich außergewöhnlich präsent und sicher.

Die Chorpartien kommentieren das Geschehen und fassen es zusammen. Dabei begegnet den Zuschauern schon einmal beim Geisterkongress die Crème de la Crème all der echten und weniger echten Männer der Weltgeschichte, angefangen von Cato über Caesar bis hin zu Frankenstein und Baron von Münchhausen. Ein Fest für Augen und Ohren schon wegen der zur Schau gestellten Kostümierung und witzigen Pointen.

Ein Kostüm am Rande war wie ein kleiner Wink, den uns Sarah Baranja mit auf den Weg gab: Beim Auftritt der Amerikaner in Chorformation, bei dem alle Register des Klischeehaften gezogen wurden, mischte sich auch ein Schüler mit Donald-Trump-Maske unter die Sänger. Sollte das Aufeinandertreffen der beiden Welten also zeigen, dass Amerikaner und Briten/Europäer einfach nicht zusammenpassen? Wenn dem so ist, stimmte doch wenigstens die Schlussbotschaft hoffnungsfroh: „Das Leben besteht aus Kompromissen“, so der britische Lord bedeutungsvoll. Und Gespenster, Amerikaner und Briten feiern dann doch am Ende gemeinsam, wenn auch jeder auf seine Art.